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Feb 18th

Diese Schwangerschaft „erwischte“ mich ungeahnt und ungeplant.

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… Zwar hatte ich einen leisen Verdacht, aber konkret keine Anhaltspunkte – als ich im Mai 2014 zum Wanderritt aufbrach. Das da meine Regel ausblieb fand ich, bei tagelangem Sitzen auf meinem Pferd nicht wirklich schlimm. Und schob es auf den Streß, den ich vorher hatte. (Als ob mir je schon mal durch Streß meine Mens weggeblieeben wäre…. NIE!)
Aber schwanger konnte ich ja nicht sein: Mir war ja nicht übel!

Am folgenden WE saß ich beim Doula-WE in Berlin, fummelte meine Ohrakkupunktur, die vom Wanderritt noch drin saß, heraus – und stellte fest, daß der Kaffee meiner Kolleginnen diesmal extrem roch.

Die Zeit verging, meine Mens blieb aus und mir war weiter übel.
Mein Mann grinste von Tag zu Tag breiter und irgendwann ließ es sich nicht mehr leugnen: Es hatte sich jemand eingeschlichen.

Da ich nach kurzer Rechnerei überblickte, wann in etwa Geburtstermin sein sollte, und ich wußte, das meine Hebamme und Freundin Irene gern mal verrückte Sachen plant, schrieb ich ihr relativ zeitnah eine SMS: Nimm dir mal im Januar/Februar nicht soviel vor. Es könnte sein, ich brauche dich da…. 😉

Ihr Antwort darauf, die bestimmt auch unvergessen bleiben wird: Warum??? Ich bin von Anfang Januar bis Ende März in Indien.

Normalerweise wäre das eine Situation, die mich erst mal in eine Panikattacke versetzt! Irgendetwas ließ mich jedoch kurz in meinen Bauch horchen, und da kam folgender Satz als „Antwort“: Bis dahin vergeht noch viel Zeit – das wird schon. Ich mach das MIT Irene.

Da dieser Impuls so klar ankam, beschloß ich darauf zu hören und mich ausnahmsweise mal nicht aufzuregen … Dies gelang mir sogar, ich war Gelassenheit in Person. Fast unglaublich für mich selber….

Ich vereinbahrte also, da mir die Übelkeit immer noch sehr zusetzte, und dieser Zustand mit 5 Kindern und diversen anderen Verpflichtungen am Tag nicht tragbar war, einen Termin zur Akkupunktur mit Irene.
Bei diesem Termin klärten wir zusammen, daß Irene die Vorsorge übernimmt. Und trotz nachdrücklichem Wunsch von Irene entschied ich mich gegen eine „Zweithebamme“ als Ersatz zur Geburt.
Ich sagte zu Irene, daß ich zur Not lieber alleine wäre, und sowieso dann keine andere anrufen würde. Außerdem sagte ich: Dieses Baby will Dich zur Geburt. Also wird es schon passen….
Übrigens war der wichtigste Akkupunkturpunkt gegen Übelkeit „mein“ Ohrpunkt – nun war auch klar, warum mir beim Wanderritt nicht schlecht geworden war.

So vergingen die Wochen, bis auf eine kleine Schmierblutung, völlig unspektakulär. Wie immer rätselten alle, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Dabei gingen die Meinungen in der Familie sogar auseinander. Mein Mann meinte, ich wäre so „unzickig“ und gelassen, daß es sicher ein Junge wird. Mein jüngster Sohn Jooni, der schon wußte, bevor ich es ihm sagte, daß wir ein Baby erwaten, behauptete jedoch steif und fest, daß es eine Schwester wird. Egal welcher Meinung Papa oder andere Menschen waren.
Die Vorsorgen machte weiter Irene, und je näher der Geburtstermin rückte, desto fester konnte ich an den Satz glauben: Dieses Baby wird mit Irene geboren. …. Ebenso hatte ich die Vermutung, daß das Wochenbett nicht Irene machen wird…
Irgendwann grenzte sich der Zeitraum, in dem Sie weg wollte, auf Januar bis Ende Februar ein. Kurze Zeit später, nocheinmal auf 2. Februar bis Ende des Monats. Und nocheinmal kürzte er sich: Abflugtag war dann definitiv der 4. Februar.
„Ausgerechneter“ Entbindungstermin war der 28. Januar, genau der Geburtstag meines Vaters. Das konnte ich für mich auch ausschließen – weil ich der Meinung war, das Baby will seinen eigenen Geburtstag.
Also alles in allem eine echt knappe „Etappe“ , da ich bisher ja eher über Termin gegangen bin.
Doch mein „Bauch“ sagte weiterhin: Ich komme mit Irene, mehr brauche ich nicht.
Innerlich hatte ich diesmal auch nicht das Bad mit der Wanne vor Augen, eher mein Wohnzimmer in der Nacht…. Darum ließ ich irgendwann beim Aufräumen mal meine Gymnastikmatte unter dem Sofa liegen. Ich dachte noch, daß ich sie im Wochenbett ja auch gleich gut für die Beckenbodengymnastik nutzen kann.

Die letzten beiden Vorsorgen machte Irene bei uns zu Hause, gemeinsam mit den Kindern hatte mein Mann so das Hörrohr am Bauch, gemütlich konnten Einzelheiten besprochen werden.
Jeden Abend beim Ins-Bett-Gehen gaben Jooni und Imke dem Baby ein Küßchen auf den Bauch und lockten es nach Weihnachten und Sylvester (Solange muss es wachsen, danach darf es rausklettern – hatte ich erklärt) mit den Worten: Trau dich, komm endlich raus da! Wir warten schon alle.

Leicht nervös äugte ich ab dem 26. Januar auf den Kalender, aber ich sagte mir auch immer wieder, daß ich es sowieso nicht ändern und beeinflussen kann. (Diese Gelassenheit, die ich in der ganzen Schwangerschaft mit mir trug, reichte auch noch dazu!)
In meinem Diffuser ließ ich passend dazu eine Ölmischung verdunsten, die „Loslassen“ hieß.
Am Abend des 27. Januar hatte ich den Gedanken, mir diese auch unter die Fußsohlen zu reiben und auch auf den Bauch. Dies tat ich, bevor ich ins Bett ging.
Eigentlich glaubte ich nicht, daß etwas passieren würde – ich mochte den Duft aber gern.
In der Nacht begannen aber tatasächlich leichte Wehen, die mich zumindest immer wieder weckten, und die ich etwas gezielter veratmen mußte.
Imke schlief neben mir, und begleitete jede Wehe mit, indem sie mich rief, umarmte oder streichelte.
Irgendwann mochte ich plötzlich den Duft des Öls auch nicht mehr, ich dachte nur noch: Ich hasse Veilchen!
So kam ich jedenfalls gar nicht zum Schlafen, und ich ging etwas genervt nach unten ins Wohnzimmer. Es war 3.00 Uhr in der Nacht, und ich hatte die Hoffnung zwischen den Wehen noch etwas Schlaf zu bekommen.
Gegen 5.30 bemerkte ich etwas abgegangene Flüssigkeit und schrieb das auch Irene als Nachricht, damit sie beim Aufwachen schon einen kleinen Tagesplan machen kann. Sie hatte die ganze Zeit Angst, daß sie es nicht rechtzeitig schafft.
Die Wehen blieben, waren aber recht einfach zu veratmen.
Gegen 7.00 Uhr telefonierte ich mit Irene, die gegen 8.00 herkommen wollte.
Pünktlich war Irene da, und als die Kinder alle auf dem Weg zur Schule und in den Kindergarten waren, warteten wir, daß es nun richtig „losgehen“ würde.
Ich ging in die Wanne, hatte aber das Gefühl, die Wehen werden dort weniger. Außerdem biß mich unser Katerchen ständig in den Fuß und so kletterte ich genervt wieder heraus. Weiterhin waren die Wehen regelmäßig, aber nicht „knackig“ genug, und die Pausen teilweise länger als 10 Minuten. So schickte ich Irene um 14.00 Uhr wieder nach Hause, mit der Vereinbahrung gegen 18.00 Uhr zu telefonieren, oder Bescheid zu sagen, wenn sich was ändert.
Sie ging mit den Worten: Vielleicht hören sie auch noch mal ganz wieder auf!
Vor Schreck taten sie das auch. Aber nur für ca. 30 Minuten. Danach blieben sie wieder – genau wie vorher.
Meine Kinder kamen heim, es wurde wieder Abend – ich blieb diesmal gleich im Wohnzimmer. So begann die 2. Nacht: Schlafen konnte ich immer mal kurze Zeit, zwischen den Wehen. Aber die meiste Zeit verbrachte ich laufend und atmend in der Küche, im Bad oder im Wohnzimmer. Ich war relativ fit, und irgendwann total genervt, weil die Wehen immernoch nicht „griffiger“ wurden. Ich probierte jetzt alle möglichen Positionen, um herauszufinden, in welcher sie am unangenehmsten – also effektivsten wurden. Nach kurzer Zeit hatte ich es: In der Seitenlage. Also veratmete ich immer eine Wehe auf rechts, eine auf links – wenn ich schon wach war, konnte ich auch arbeiten.
In dieser Zeit fiel mir auch ein, daß dies die Position war, die bevorzugt wurde, bei Einstellungsschwierigkeiten mit dem Köpfchen des Kindes…..
Als gegen 7.00 Uhr mein Mann herunterkam, der nun bald die Kinder zur Schule und in den Kindergarten bringen mußte, beschloß ich erstmal einen „ganz normalen Tag“ zu versuchen. Ich machte also mit Frühstück, brachte in einem Anfall von „Budenkoller“ meinen Jüngsten zum Kindergarten und fuhr mit Michael zur Physiotherapie.
In der Zwischenzeit hatte Irene schon angerufen und war etwas genervt von meinem Aktionismus 😉 Wir verabredeten uns am Nachmittag zu nochmaligem Kontakt.
Ich verbrachte so den ganzen tag mit meinen Kindern, alle bekamen mit, daß etwas vor sich ging. Die Spannung war nervenzerfetzend und kaum zum aushalten für die Kinder.
Mit jeder Stunde, die verging, wurde mir klarer: Ich brauch noch einmal Akkupunktur. Und ich brauche Irene!
Ich bat sie gegen 17.00 Uhr zu kommen, was sie auch tat.
Sie untersuchte mich, und stellte fest: Muttermund auf 9 cm. Da kein weiteres Fruchtwasser mehr abgegangen war und die Blase tastbar war, konnten wir (vorallem sie!) sich entspannen, denn es war offensichtlich nur eine der beiden Eihäute in der ersten Nacht gerissen.
Dem Baby ging es gut, es war – wie die ganze Zeit schon – tiefenentspannt mit guten Herztönen.
Mit diesem Befund bekam ich nun endlich auch „meine“ Nadeln, Irene beschloß kurzerhand hier zu bleiben, so daß ich sie in der Gästewohnung unterbrachte.
Schon beim Abendessen bemerkte ich, daß Irenes Nadeln gute Dienste leisteten.
Trotzdem brachte ich noch die Kinder ins Bett, und quatschte ein bischen mit dem Ältesten. Als dieser sich auch ins Bett verabschiedete, ließen die Wehen nicht lange warten: Sie wurden merklich anstrengender.
Im Laufe der Nacht steigerte sich dies noch um einiges. An Schlaf war jedenfalls nicht zu denken, und so veratmete ich und lief umher, und entspannte in den Pausen….
Gegen 2.00 Uhr war ich jedoch so genervt und fertig, daß ich an nichts mehr glaubte. Also rief ich Irene übers Haustelefon an, damit sie sich ein Bild von der Lage machte.
Ich empfing sie mit den Worten: Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr und das wird eh nichts. Fahr mich irgendwo hin! Sie meinte darauf: ich fahr nicht weg, draußen ist es saukalt!
Ich meinte: dann fahr ich selber, gib mir die Hose. Sie lachte nur….
Nach kurzem Check war klar, was ich auch schon selber wußte: Übergangsphase.
Zum 3. Mal versuchte ich mein Glück mit der Wanne, und zum 3. Mal wurden die Wehen dort schwächer .Ich entschied mich, Michael schlafen zu lassen . Also gingen wir wieder in den Wohnbereich, und überlegten was nun gut wäre. Ich: ich will schlafen. Irene: Ich will nicht schlafen, ich will ne Geburt. Ich mache erst mal Kaffee.
Ich legte mich in dieser Zeit in eine Position, in der ich immer relativ „ruhige“ Wehen hatte, in der Hoffnung auf eine längere Pause. Mein Bauchzwerg hatte aber Irene gehört. Und schickte mir drei Wehen hintereinander, die mich nicht mehr nach „knackigen“ Wehen jammern ließen.
Irene guckte mich nur an und meinte: Na? Was hat sich verändert? Ich meinte: Bei der letzten Wehe konnte ich merken, wie sich ein Köpfchen in mein Becken bohrt. Mein Kind will auch nicht schlafen, es will raus.
Also zogen wir unterm Sofa meine Gymnastikmatte hervor, ich ging in den Vierfüßler und nun zeigte sich, was „knackige“ Wehen sind.
Nach kurzer Zeit schob sich, mit der Fruchtblase voraus, ein kleiner Mensch in gutem Tempo durch mich.
Ziemlich bald war der Kopf da, und da wurde auch klar, warum es war wie es war: Es hatte eine Hand im Gesicht, und mußte nun den Weg mit Schulter und Ellenbogen voraus nehmen.
Gut, daß Irene da war, um mich zu coachen und dem Baby zu helfen!
Meine Tochter Iben Klara wurde um 5.01 Uhr geboren, mit einem Gewicht von 4700 Gramm, einer Länge von 55cm und dem KU von 37cm.
Sie sah aus, wie frisch geduscht und schrie wie am Spieß, als Irene sie mir abnehmen wollte, damit ich besser aufstehen kann.

Michael erfuhr von der Geburt seiner Tochter erst nach 7.00Uhr.
Wir hatten beschlossen, die Plazenta abzuwarten, aufzuräumen und es uns gemütlich zu machen solange – als „Mädchenrunde“.
Dabei dachten wir uns auch einen Streich für Michael aus. Irene machte alles dunkel, und ich versteckte das Baby. Auf Irenes Stichwort ahmte ich eine Wehe nach, und Irene erzählte, daß das Baby bald kommt und zeigte ihm den geburtsbericht. Mit dem Hinweis bei 5.00 Uhr genauer zu lesen…. Dies tat mein Mann natürlich nicht, sondern kam zu mir. Er hat sich wohl mächtig erschreckt, als ich die Decke lüftete 🙂

Nach und nach wurden auch die Kinder wach, und auch sie waren froh, daß dieser „Marathon“ ein so glückliches Ende fand. Am stolzesten war Jooni, der mit leuchtenden Augen ins Wohnzimmer kam und sagte: „Siehst du Papa, ich hab doch gesagt, es wird eine Schwester! Und jetzt gehört die MIR!!“

Nachträglich muss ich feststellen, daß dieses Kind alles genau richtig gemacht hat, als es beschloss, daß es mit Irene kommen wird:
Keine andere Hebamme wäre wohl 3 Tage und 3 Nächte mit uns so gelassen (zumindest äußerlich) diesen Weg gegangen – am Anfang noch mit Verdacht auf Blasensprung.
Und jeder Druck und jede Intervention in diesem Geburtsverlauf hätten mich und mein tiefenentspanntes Baby auch unter Druck gesetzt. Wo wären wir dann wohl geendet?? Ich habe genug Wissen & Phantasie, um es zu ahnen….
Keine andere als Irene hätte ich auch auf diesem Weg so nah „an mir“ dabei haben wollen. Das Vertrauen, was ich durch Ihre Kompetenz und auch durch unsere Freundschaft, durch die gemeinsame, lange Zeit, die wir uns kennen, empfinden kann, war genau die Basis, um Loslassen zu können, um mir den Rahmen möglich zu machen, diesen Weg gehen zu können.
Diese war meine längste Geburt, aber nicht die „schlimmste“. Egal wie lang und hart der Weg ist: Mit einer Begleitung in Würde und Respekt, Vertrauen und guter Energie , Geduld, Bewegung und Erfahrung, ist er trotzdem zu schaffen, und führt am Ende zu einer Erfahrung, die uns stärkt.
Eine Geburt muß, nur weil sie „lang“ war, nicht auch traumatisch enden!
Danke Irene, für diese Zeit – die mir und uns gelassen und geschenkt hast! Danke, für den Humor in den richtigen Momenten und dafür, daß Du einfach so bist, wie du bist! <3 <3 <3 <3 <3 <3