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Mai 20th

Eine Sonntags-Hausgeburt im Frühling

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Hier ein Geburtsbericht von Anja, die ich von einem meiner Kurse kannte. Letztes Jahr sprachen wir, ausgelöst durch den Elternprotest in Dresden bei dem sie organisatorisch mithalf, hypothetisch über eine Hausgeburt und ob ich ihre Doula sein könnte. Es war ja doch eher eine Flachserei mit ernstem Anstrich und dadurch, dass es in meinem beruflichem Leben 2014 viele große Veränderungen gab, sprachen wir in den späteren Monaten nicht mehr darüber. Zwischendrin hatten wir ganz kurz Kontakt, bei mir war einfach zu viel los. Und dann, *kurz vor knapp* kam es doch noch dazu, dass ich würde bei der geplanten Hausgeburt dabei sein dürfen. Wir hatten unsere 2 Treffen vorher und auch telefonisch/mail-Kontakt bis zum großen Tag. Wie jede Frau frug ich auch sie, ob sie mir dann etwas aufschreiben würde, doch sie meinte, nein, das sei nicht so ihr Ding, was ja völlig ok ist. Tja und nun erreichten mich dann doch 3Wochen nach der Geburt ihres Sohnes ihre Zeilen, darüber freue ich mich umso mehr!! Ganz lieben Dank auch dafür, dass alles veröffentlicht werden darf! 🙂
Ich lasse zunächst Anja *sprechen* und schreibe danach noch eigene Notizen.
Im Übrigen war die Hebamme die gleiche wie bei Mia Marias Geburt, wir stellten also während Anja im Pool eine Wehenpause hatte fest, dass wir alle *Maria mit den leckeren Himbeeren* kennen…
*****
Es ist vollbracht – Tristan Willy hat 0:42Uhr am 26.04. noch im heimischen Pool das Licht der Welt erblickt. Er ist 58cm groß, mit 3970g und einem 36cm KU.

25.04 Ein Samstag wie ich ihn nicht mag, mein Mann hat mal wieder Schule von 8-15 Uhr – ein anstrengender Tag mit Violetta.

17:39 habe ich gemütlich auf der Couch gelegen, Bauch wurde mal hart aber nichts weiter dabei gedacht, mein Mann hatte ich mit Violetta einkaufen geschickt, Bananen, Erdbeeren wollte ich und Kekse. Um die Zeit waren die Wehen aller zehn Minuten – zwischendurch mit meinem Mann per Whatsapp geschrieben, und informiert, er so: „willst Du mir sagen, es geht los?“ ich: „nein, das sind sicherlich Übungswehen.“

Eine Stunde verging, währenddessen mit Freundin gechattet und immer mehr gewundert, dass die Abstände kürzer werden.

18:50 dann doch mal überlegt eine Wehenapp zu laden und zu takten ohja, da waren die Wehen schon aller 5-6 min. da –ich wollte es nicht glauben und hab dann aus Instinkt nochmal meinen Mann angerufen und gesagt, ich glaub es ist besser, du gehst noch Malerfolie holen .

In der Zwischenzeit hab ich das Spielzeug im Chaoszimmer aufgeräumt – um Platz für den Pool zu schaffen.

Kurz darauf sind auch mein Mann und Violetta eingetrudelt – Ich sagte dann zu meinem Mann: „ich werde nun doch mal alle informieren.“ Und er meinte so: „bist Du dir sicher, nicht dass es ein Fehlalarm ist.“ Wir waren beide ab dem Moment so aufgeregt und meinem Mann war schlecht aber vor HUNGER^^.

19:00 hab ich dann mal meine Doula angerufen und informiert, danach die Hebamme und die Fotografin.
Doula hatte um 16:30 auch eine Geburt und war gerade „fertig“ und wollte nach Hause ^^perfektes Timing
Hebamme meinte, joa dann weiß sie Bescheid und wenn es mehr wird ^^ soll ich mich nochmal melden . Herrlich entspannt war die ganze Situation.

19:30 ca. ist meine Doula auch schon eingetroffen. Hat mich mit den Worten empfangen: „wie schön, ihr habt auf mich gewartet.“
(An dem selben Morgen kam eine SMS Info von Ihr, dass das Handy heute ausbleibt bis das Baby da ist, und ich mit Wehen auf sie warten soll – da muss ich jetzt noch drüber schmunzeln und hatte Bange sie nicht zu erreichen)

Sie fragte mich wie es mir geht und was sie mir Gutes tun kann und ich sagte: „ja mir geht’s gut, noch kann ich lachen.“ Dann packte sie schon ihre Schätze aus und hat mir mit nem tollen Öl eine Bauchmassage gemacht. Dabei und danach musste ich mich schon leicht konzentrieren und die Wehen veratmen.

Mein Mann holt dann in der Zeit schon den Pool aus dem Keller und baut ihn mit Violetta auf. Sie möchte am liebsten gleich rein und turnt schon fleißig um/auf den Pool.

20:00 ist dann auch schon die Fotografin eingetroffen und hat es sich gemütlich gemacht.

20:26 ich ruf nochmal Hebamme an und sage ihr die Wehen nehmen immer mehr zu und wir verabredeten, dass sie in rund 45min da ist.

20:45 Nach der Massage wurden mir noch die Füße massiert.

Und dann musste ich schon Wehen im Stehen an der Arbeitsplatte in der Küche veratmen gehen.

21:10 Hebamme ist da, meine Wehen sind so bei 2-3 Minuten, ich veratme gut die Wehen und muss noch nicht tönen. Kindsbewegungen sind sehr kräftig – für alle gut sichtbar.

21:25 wurden erste Mal die Herztöne kontrolliert.

21:43 Ich steh immer noch an meiner geliebten Arbeitsplatte, zwischenzeitlich lunsche ich was der Pool macht. Nun muss ich schon tönen. Und da ich das nicht so gut kann^^gibt’s ne Anleitung von der Hebamme – tiiiiiiefe Töne. Parallel ist meine Doula am Beine massieren und ausstreichen. Ich werde langsam wacklig auf den Beinen und sie sind sehr kalt gefühlt.

21:48 Ich kann in den Pool. Ich muss kräftig tönen, bin kniend über den Rand gelehnt und lass mich einfach fallen und fühle mich gut gestützt an den Armen – das tut gut, die Wärme, herrlich. Mein Mann nimmt ab da an meine Hände und ich drück kräftig seine Hände während der Wehen.

21:55 Herztöne vom Kind geschaut – Kind bewegt sich ganz kräftig.

22:12 nun komme ich mit dem Tönen besser zurecht, alle „singen“ mit – Doula reicht mir immer wieder was zu trinken (ich trinke wie sonst nie so viel) und Hebamme schüttelt am Popo und an den Beinen, Das tut einfach nur gut.

22:26 die Wehen überrollen mich gefühlt, die Intensität und Häufigkeit nimmt zu.

22:29 Kommentar meiner Hebamme: Anja ist so richtig gut in Fahrt .Alles so wie gewünscht.

22:42 nun werde ich gefragt, ob ich mich mal selbst untersuchen will. Ich kann Tatsache die Fruchtblase gut tasten.

22:56 nun muss ich so doll weinen, ich erinnere mich in dem Moment an die „so andere Geburt“ – aber das gehört wohl dazu. Umso wohler für ich mich jetzt, alle für mich da.

23:04 Hebamme schlägt mir mal vor, mich quasi in den Pool zu setzen und halb anzulehnen. Das schmerzt ordentlich vorne und gefällt mir so garnicht. Mache es nur paar Wehen mit und drehte mich dann wieder um.

23:14 wünschte ich dann doch mal ne vaginale Untersuchung, weil ich das Gefühl hatte, es geht nichts voran (Angst, dass es wie bei Violetta ist). Nein, ich war am Staunen 8cm. Aber der Bub hatte noch eine Hürde und kam nicht über die Lippe und ich hatte auch kein Pressdrang. Die Fruchtblase ist auch noch nicht geplatzt.

23:25 hab ich das erste Mal Druck auf den Darm und verliere Stuhlgang, aber stört mich nicht ^^und mein Mann bringt Sieb zum rausfischen – Hebamme übernimmt das.

23:29 Man ist das eine heftige Wehe, und platsch macht es unter mir – die Fruchtblase gesprungen, ja man spürt das auch im Wasser, hätte ich nicht gedacht. Fruchtwasser ist klar. Die Wehen werden immer heftiger.

23:40 ich ändere die 4 Füßler Position auf Vorschlag von der Hebamme und stelle das linke Bein auf. Dadurch bekomme ich aber auch kein Pressdrang.
Herztöne sind immernoch top.

23:43 Hebamme untersucht mich nochmal. Es ist nur noch ein kleiner Saum vorn aber das behindert.

23:45 Nun werde ich mit Mann aufs Klo geschickt und soll 3 Wehen veratmen und dem Kind gut zu reden. Also klitschnass ab aufs Klo. Was für Schmerzen im Vergleich zum Wasser, ich hoffe die Nachbarn hören das nicht. Ich stütze mich beim Mann und versuche ruhig die Wehen auf dem Klo zu „verarbeiten“.

23:52 ich bin zurück in meinem geliebten Pool. Leichter Pressdrang nun da aber noch „mangelhaft“ laut Hebamme. Ich schlage mich aber tapfer, bin ganz schön erschöpft und trinke was mir Doula hergibt. Nun habe ich Sorge, es nicht zu schaffen.

00:03 raus aus dem Pool ab aufs Bett – wieder 4 FS – Äpfel schütteln ist angesagt.

00:14 neue Idee – in die Stube vors Sideboard, abwechselnd ein Bein oben drauf und wieder Äpfel schütteln – ich drück mein Kopf in den Tragetuchstapel und mein Mann passt mit Hand vor dem Kopf auf, dass ich ihn mir nicht an der Wand stoße.

00:24 nun bin ich echt am verzweifeln, sehr erschöpft und jammer vor mich hin, dass es doch nichts wird. Aber ich möchte auf Nachfrage nicht in die Klinik und bekomme neuen Mut.

00:32 ich bekomm paar Globuli und weiter Äpfel schütteln

00:34 Mein Mann setzt sich aufs Sofa und ich lasse mich in die tiefe Hocke in seine Arme fallen – nochmal paar andere Globuli in Mund – und ich drück und schiebe zwei Wehen so kräftig – dass der Kopf schon ein wenig zu sehen ist.

00:36 ich geh wieder in den Pool und in meine geliebte 4 FS Position. Nun schieb ich sachte mit Gefühl bei jeder Wehe mit. Nochmal paar Globulis zum Damm schützen.

00:42 eine letzte Wehe und Tristan wird in einer Wehe geboren. Hebamme meinte nur, schau dreh dich mal um, ich konnte es nicht fassen. Ich habe es geschafft, musste ich dann erst mal von mir geben. Alle gratulierten und freuten sich mit. Tristan war schön rosig, schreite kurz gut durch und ich legte ihn an die Brust und wir genossen erstmal den Erfolg sitzend im Wasser. Violetta kam uns wieder besuchen und schaute ganz begeistert. „Oh Baby“

1:00 ich geh mit Hilfe ins Bett – Plazenta noch nicht gelöst aber ich blute leicht. Mein Kreislauf ist sehr stabil im Vergleich zur ersten Geburt.

1:08 hefige Nachwehe, Plazenta noch nicht geboren. Tristan trinkt kräftig an der linken Brust.

1:12 eine weitere Nachwehe mit ein wenig Blutung

1:16 Mit erneuter Nachgeburtswehe – Geburt der mit Eihäuten vollständige Plazenta. Plazenta wird inspiziert – sie ist „aufgebrochen“. (Das hab ich mir später auch erst erklären lassen).

1:25 Papa hat Violetta in Schlaf getragen, schläft tief und fest. Mein Damm wird angeschaut, gerissen, aber „nur“ 1. Grades. Hebamme riet mir zum Nähen aber jetzt mag ich noch nicht.

1:55 wünsche ich mir erstmal gegen die Nachwehen „ein“ Stück Plazenta, ich bekomm drei und Schluck sie alle mit O-Saft runter

2:28 Nun werde ich genäht, kam ein schönes Dental-Betäubungsspray drauf und gleichzeitig wurde mir noch ein Zipfel vom DR 2. Grades entfernt.

3:20 Tristan bekommt von Papa und Hebamme eine Windel und Windelfreibody an. Meine Doula verabschiedet sich.

Und pünktlich 4 Uhr verabschiedet sich unsere Hebamme.

Fazit:

Es war fast alles wie geplant – nur zum Schluss musste ich ganz schön turnen, dass Tristan sich richtig rausdreht und ich pressen konnte.
Er hing an der Lippe fest und ich hatte somit kein Pressdrang.
Leider bin ich wieder gerissen – aber dieses Mal wurde es super genäht und ich hatte nicht so arge Probleme damit.

Aber sonst war alles wunderbar so – Alleingeburt hätte ich nicht geschafft. Nicht mit der letzten Komplikation.

Ich bin sehr froh über das Team, Hebamme und Doula gewesen. Ich hab meiner Hebamme vollends vertraut und auch wenn der letzte Teil bisschen holprig war aber es musste sein.

Und meiner Doula bin ich auch sehr dankbar. Dieses Bemuttern tat so gut und möchte ich nicht missen.
Ob es das Trinken reichen war, oder ich an leckeren Düften für Mut schnuppern durfte. Die Massagen während der Wehen am Oberkörper und Hebamme am Hintern.
Zwischenzeitlich hat sie es auch noch geschafft, mir eine Wochenbettsuppe zu kochen.

Ich habe bestimmt viel vergessen, welche Arbeiten sie leisteten, aber ich weiß, dass ich paar Wehen „ohne Unterstützung“ durch machte und die für mich deutlich schmerzhafter waren.

Noch kurz zu Violetta:

Nach Pool Aufbau – war sie kurz Baden. Ich hatte da schon gar kein Blick mehr drauf – war in Küche an der Arbeitsplatte am Tönen – ansonsten war Violetta die ganze Zeit bei uns. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, sie fühlt sich nicht wohl.
Violetta war auch kein bisschen ängstlich kam immer gucken – Hebamme und Doula sagten ihr dann immer – die Mama singt noar – und dann gab mir Violetta Motivationsküsse – Wahnsinn bin echt begeistert und geflasht – und so glücklich.

DANKE und nie mehr ohne Hausgeburt.

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 Die frisch  gebackene  Familie  *one day  young*

 

 

 

 

 

 

 

 


Anja hatte von der Hebamme ein Timetable, deswegen sind die genauen Uhrzeiten so zu lesen. Ich dagegen schaue als Doula ehrlich gesagt kaum auf die Uhr und muss mir selbst die Geburtszeit gleich aufschreiben bevor ich es wieder vergesse 🙂

Nur die Anfangszeiten können etwas nach vorn gerückt werden, ca. 1h, auch wenn es darauf nicht ankommt. Wie Anja schon schrieb, morgens hatte ich ihr mehr oder weniger aus Spaß eine sms geschickt, sie solle mit ihren Wehen noch warten, weil ich erst mal bei einer Geburt sei. Tja, das muss wohl das Universum sehr ernst genommen haben… ich bin also fließend mit dem Taxi aus dem Krankenhaus zu Anja und Paul gefahren, dort war freudig erregte aber auch heitere Stimmung 🙂 Anja hat eine Bauch- &Kreuzmassage bekommen, während der sich bereits die Wehen verstärkten. Da ich einige Stunden nichts gegessen hatte, musste ich erst mal etwas zu mir nehmen, wie Paul vor mir. Ich hatte mir unterwegs was Warmes besorgt. Während ich aß, beobachtete ich Anja und sah wie sie nun schon tief atmend durch die Wohnung tigerte, gab ihr ein paar Tips zur Atmung und zu ihrer Haltung und frug Paul, wie lang es braucht bis der Pool fertig ist. Er meinte, 20min Aufbauen, 20min Füllen. Also beschlossen wir, den Pool jetzt aufzubauen, das Befüllen könne man ja noch später entscheiden. Während der Pool aufgebaut wurde, setzte ich die Wochenbettsuppe an und die Fotografin traf ein. Alle durften mal Pool aufpumpen, es war immer noch heitere Wusel-Stimmung, ein bisschen wie vor einer Hochzeit. Die Fotografin war noch nie bei einer Geburt dabei und frug mich nun, was denn eine Doula so mache. Ich versuchte in 3Sätzen zu erklären und sie meinte: Ah, du bist also sowas wie die gute Fee, und ich ergänzte: Ja, so kann man das sagen, nur dass ich auch nicht zaubern kann 🙂

Am Pool wurde noch immer gepumpt und damit Anja ein bisschen mehr zu innerer Ruhe findet, bekam sie von mir eine ausgedehnte Fußmassage. Prompt musste sie sich nun auf die Wehen konzentrieren. Violetta wirbelte um das Pool herum und ich meinte zu Paul, wie es sich denn mit dem Wärmespeicher beim Pool verhält und dass mir mein Gefühl sagt, wenns so schön warm bleibt, lasst uns den Pool jetzt gleich noch befüllen. Anja kam nun innerlich mehr bei Geburt an, wo sie es bei meinem Ankommen ja noch nicht glauben konnte. Ich freue mich ja immer riesig wenn es losgeht und bin am entspannten Dauergrinsen. Sie und ich gingen in die Küche, während das Wasser in den Pool lief. Dort schnippelte ich noch das Gemüse in die angesetzte Suppe und die Wehen kamen nun immer zügiger, die Abstände verkürzten sich. Sie hielt sich am Türrahmen fest und ich massierte ihren Rücken und ihr Kreuz, sie wechselte an die Arbeitsplatte, ich massierte mit dem Kirschkernkissen ihr Kreuz und schüttelte ihre Beine locker, die Füße begannen wieder kalt zu werden. Zwischendrin gab ich ihr zu Trinken. (Bei mir müssen alle Frauen immer viel trinken…)
Sie zog es gern nach oben, ob nun die Schultern oder die Füße, ich gab ihrem Körper Impulse lieber nach unten zu gehen. Paul hatte noch immer zu tun, Violetta immer am Start und die Fotografin kümmerte sich auch hier und dort. 

Und dann kam die Hebamme, die auch gleich nach ein paar Wehen und kurzem Ankommen sich einen Überblick verschafft hatte, und für gut befand, wenn Anja jetzt in den Pool gänge. Anja war happy, mit Ankommen der Hebamme verstärkten sich die Wehen noch einmal. Alles in Galopp-Tempo für mein Empfinden. In einer Pause meinte Anja dann „Schöne Grüße von Maria mit den Himbeeren“ zur Hebamme. Es wurde gerätselt, um welche Maria es sich handeln könnte. Wie ich oben schon schrieb, stellten wir dann fest, dass alle diese Maria kennen und eben ihre köstlichen Himbeeren. 🙂 

Anja begann alsbald mit Tönen, die Hebamme gab Tips für Stellungen und wir halfen Anja diese einzunehmen. Sie entspannte wunderbar, tankte ein Glas nach dem nächsten, fast in jeder Wehenpause (wohlgemerkt, sie erzählte mir vorher noch was für ein schlechter Trinker sie wäre!…). Paul war fest an Anjas Kopf und Händen positioniert, und kümmerte sich nebenbei um Violetta. Er ar die ganze Geburt über  sehr aufgeregt, aber Anja störte das kein bisschen, sie war nun ganz bei sich angekommen.
Ich lief möglichst unauffällig zwischen Küche, Pool und Bad hin & her, alles was gebraucht wurde, Getränke, Handtücher, Ähterische Öle die ich Anja unter die Nase hielt und welche sie sich vorher ausgesucht hatte. Unter anderem die Mischung „Loslassen“ und „Present time“ von Young Living. Ich wischte ihr die Stirn und den Mund, putzte ihr auch mal die Nase damit sie atmen kann, *spülte* den oberen Rücken mit warmem Wasser und massierte während der Wehen die Schultern und Schultergürtel, wo wir beide noch in der Küche stehend feststellten, dass ihr dies sehr gut tat.
Die Hebamme wiederum brauchte beide Hände um Äpfel zu schütteln, das Kreuz zu massieren und immer wieder Notizen zum Geburtsverlauf zu machen, prüfte Herztöne des Babys.

Die Stimmung war trotz Anjas harter Arbeit angeheitert und entspannt, die Geburtskerze verbreitete liebevolles Licht. Wir redeten wenig, nur Violetta sorgte für Unterhaltung. Sie kam immer wieder ins Zimmer, checkte regelmäßig die Lage mit „Hallo“ und „Tschüß“, gab Mama Küsschen und verschwand wieder. So ging es eine ganze Weile bei bleibenden 8-9cm, in denen ich nicht mit Anja tauschen wollte. Sie hatte wirklich zu tun und ich bewundere, wieviel Kraft sie in sich hatte.
Natürlich ist in dieser Phase auch, dass es zu Zweifeln und Aufgeben-wollen oder auch mal Ängsten kommt und ausgerechnet diese Phase dauerte aufgrund des von Anja benannten Hindernisses eben etwas länger. Wir waren alle für sie da, auch wenn wir ihr es nicht abnehmen konnten. Bald würde es ja geschafft sein und der Lohn in ihren Armen liegen. Aber das sollte eben etwas andauern…

Ich bin ganz besonders dankbar für die Erfahrung mit der Hebamme, die eben Hebammenhandwerk anwandte und Zeit gab, anstatt Interventionen und Druck machen. Nun versuche ich mich wirklich so neutral wie möglich auszudrücken, aber da ich vor allem Krankenhausgeburten begleite, weiß ich wie sonst mit solchen oder ähnlichen Situationen umgegangen wird. Und auch ich habe viel gelerntes Wissen als Doula, welches mich dann manchmal innerlich verzweifeln lässt, denn es ist ja nicht meine Aufgabe es anzuwenden und es ist auch nicht meine Geburt die ich mitbestimme. Deswegen weiß ich, wieviel Ruhe, Fingerspitzengefühl und Vermitteln von Sicherheit wichtig ist in solchen Situationen und die Selbstverständlichkeit mit welcher dies umgesetzt wurde – es war wahrer Balsam für meine Doula-Seele dies nun live mitzuerleben, für mich wohl bei dieser Geburt das prägendste Erleben. Liebe Hebamme, ich winke herzlich zu dir rüber!! Auch Doulas brauchen manchmal heilsame Geburts-Erlebnisse! 

So überwand Anja supertapfer, mit immer wieder neuem Mut und riesiger TigerPower diese Phase der Geburt und konnte nach einiger gewinnbringender *Geburtsakrobatik* unter Leitung der Hebamme (auch traditionell mexikanische Hebammentricks wurden angewandt) wieder zurück in ihren warmen Pool. Nun ging es wieder im TurboTempo weiter. Baby Tristan hatte schließlich auch ordentlich geschoben und machte einfach so weiter wie vor dem Hindernis. Die Hebamme dachte, er könne sich wenigstens noch 3-4Presswehen Zeit lassen, Anja sollte verpusten. Aber der Tristan, der hatte sich das anders überlegt, der wollte einfach nur noch ganz schnell in Mamas Armen liegen und von seinem Papa und seiner Schwester begrüßt werden.
Dieser heilige Moment, der jedes Mal Tränen in die Augen treibt auch wenn man nur daran denkt – dieser Moment wenn der neue Erdenbürger ankommt, wenn sie es geschafft haben, die Reise ans Licht. Stille. Frieden. Gänsehaut. Glück. Freude.
Aber die Geburt ist noch nicht vorbei, bevor auch die Placenta geboren ist.
Dann wurde beglückwünscht, als auch Babys Mutterkuchen, sein Lebensbaum ankam. Groß und schön wurde er in einer Schüssel in die Wanne gestellt, ich habe am nächsten Tag im Auftrag noch Farbabdrücke hergestellt.

Eine Doula geht, wenn Mama & Baby gut versorgt sind nach der Geburt, danach gibt es auch immer viel zu tun. Ich half Paul Violetta ins Tragetuch zu binden, damit sie einschlafen konnte, räumte schon einige Dinge im Geburtszimmer, aber auch in der Küche auf damit Paul nicht am nächsten Tag alles allein machen musste, strickte ein bisschen, räumte meine 7Sachen zusammen, würzte die Suppe nach die nun fertig geköchelt hatte, brachte Anja ein paar Kekse und auch wieder zu trinken. Und so blieb ich auch bei Anja, die eben durch die so kurze Pressphase doch noch ein wenig versorgt werden musste am Damm. Dafür braucht es meist genauso Bemutterung wie während der Geburt, auch wenn die Situation eine andere ist. Eine Hand zum Drücken und liebe Worte, ein bisschen Hilfe beim Veratmen. Nach der U1 konnte Anja dann auch ihre erste Schüssel Wochenbettsuppe essen und ich verabschiedete mich leise von der glücklichen Familie und der Hebamme, die eben noch ein bisschen mehr zu tun hat…

Ein langer ereignisreicher Tag neigte sich dem Ende, schlafen kann ich nach so viel Glücks-Bindungs-Oxytocin-Rausch immer eher schlecht. 😉

Liebe Anja, lieber Paul, ich danke euch von Herzen dafür, dass ich beim Zauber eures Familie-größer-Werden dabei sein durfte!
Auch Anja gehört zu den Frauen, die anderen mit ihrer Geschichte Mut machen will, trotz aller sich gerade politisch geprägten Wirbelwindzeiten im Gefilde der Geburtshilfe. Anja hat genau wie alle anderen Frauen die mich kontaktieren, den Entschluss gefasst, eine selbst bestimmte Geburt zu erleben und sich dafür ihr Helferteam kreiert, Wissen angeeignet und mutige Entscheidungen getroffen, um ihren ganz eigenen Weg selbst verantwortlich zu beschreiten. Diese Erlebnisse und Geschichten sind nicht nur berührend, (und mich berührt es ganz besonders) sondern stecken an, genauso den eigenen Weg zu finden.
Im Verhältnis zum Rest des Lebens ist eine Geburt ein sehr kurzes Ereignis, dafür ist es eines der prägendsten im Leben und eine Frau wird diesen Tag nicht vergessen. Anjas Geburtserlebnis zeigt auch, dass wir Frauen gute Hebammenhilfe für ein positives Geburtserlebnis brauchen, das ist derzeit so präsent wie kaum zuvor.

Ich bin auch meinem Freund unendlich dankbar für seine Unterstützung was meine Arbeit angeht. Da ich bei Geburt nicht erreichbar bin, ist er dann für meine Kinder zuständig, wenn diese nicht wiederum bei ihrem Vater sind. Und manchmal ist er auch freiwillig mein Geburtstaxi 😉