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Nov 26th

Was mir als Doula zum Roses Revolution Day durch den Kopf geht…

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… und was mich beschäftigt

Seit 2013 gibt es einen Globalen Aktionstag gegen Gewalt in der Geburtshilfe, den 25. November. Die Aktion „Roses Revolution“ ruft dazu auf, eine rosafarbene Rose und ggfl. einige erklärende Worte an dem Ort nieder zu legen, an dem der betroffenen Frau Gewalt während der Geburt angetan wurde.

Natürlich hatte ich in den vergangenen Jahren viel mit Frauen zu tun, die Kinder geboren haben und mich beschäftigen ihre Geschichten die sie so sehr geprägt haben. Deswegen habe ich einige meiner Gedanken als Doula zu diesem Tag, der auch für mich persönlich eine Rolle spielt, aufgeschrieben:

– ich würde am liebsten zur Würdigung aller mir anvertrauten Geburtsgeschichten von Frauen die sie erlebt haben einen Riesenstrauß Rosen vor alle Dresdner KS-Türen legen, es macht mich so betroffen

– bisher kamen fast nur Frauen zu mir als Doula, die schwanger waren mit dem zweiten Kind, bei der Geburt des ersten Kindes keine würdevolle Begleitung erlebt hatten und nun dadurch wussten was sie wollten, um ihr Geburtserlebnis weitestgehend selbstbestimmt zu erleben, weswegen sie meine Unterstützung suchen

– sind es Erstgebärende die mich anfragen, dann wissen auch sie sehr genau was sie wollen – das ist wohl der Grund warum ich bisher wirklich eher schöne Geburten miterleben durfte und das Gefühl hatte wie von mir gewollt die Frau in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen anstatt eines Systems

– ich bin nicht die Anwältin der Gebärenden, sondern ihre Doula, ich begleite ihren Weg für den sie sich entschieden hat und das ist meist nicht der Weg für den ich mich entschieden hätte

– ich rate der Frau zu nichts weiter wenn sie mich fragt sondern gebe Informationen die ihr viell. noch fehlen aber wichtig sind um für sich eine Entscheidung zu treffen

– ich achte diese Entscheidungen denn es sind die Entscheidungen der Frau die ich achte und die mich beauftragt hat sie zu begleiten, sie hat ein Recht auf ihren Weg und ihre eigenen Erfahrungen

– Dadurch wird mir immer wieder bewusst, wieviel Eigenverantwortung der Gebärenden das Geburtserlebnis auch mit sich bringt, das Bewusstsein über die Verantwortung mit dem Umgang der Frau ist mir chronisch klar…

Und wenn ich schwangeren Frauen etwas raten könnte, dann wäre es nur, dass sie sich überlegen welches Geburtserlebnis sie für sich ihr Leben lang konkret in Erinnerung behalten möchten und sich zu informieren wie sie für sich die passende unterstützende Umgebung dafür schaffen können, was ihre Rechte sind und sich für sich selbst einzusetzen, das ist oft weniger radikal als es klingt. Es ist kein Garant dass alles so verläuft wie erträumt, denn eine Geburt ist nicht planbar, aber es ist viel wert in die Eigenverantwortung zu gehen.
Leider gibt es auf der ganzen Welt zu selten die Möglichkeit, sich nur/ausschließlich darauf zu verlassen, dass dafür Zuständige „das schon machen werden“. Bei uns auch immer weniger schon allein wenn frau sich z.B. die Hebammensituation anschaut.

Allerdings wünsche ich mir für die Zukunft (die im Jetzt hier beginnt) und für meine Töchter, dass frau sich neben ihrer Eigenverantwortung auf ihre Geburtsbegleitung wie erhofft verlassen+vertrauen kann um auch „loslassen“ zu können, um gebären zu können. Das ist doch der Kern.
Ich denke wir sind eine Generation, die sich nun ihren Erlebnissen stellt und anfängt darüber zu sprechen, das wird etwas verändern weil es uns verändert. Die Generation davor hatte dazu kaum eine Möglichkeit, viel wurde verdrängt, viel wurde heimlich geweint und so vieles war so „normal“.
Wir wissen heute, dass z.B. ein Dammschnitt nicht normal ist, sondern Körperverletzung. Wenn wir die Dinge beim Namen nennen können, wenn wir sprechen dürfen wenn wir das wollen weil uns das hilft, dann kann Heilung geschehen, dann werden uns Dinge bewusst. Und oft ist ein weiteres, dann selbstbestimmtes Geburtserlebnis sehr heilsam, auch wenn es Dinge nicht ungeschehen macht. Manchmal braucht es auch professionelle Hilfe um ein Erlebnis zu verarbeiten, alle alternativmedizinischen Methoden mit einbezogen.
Bitte nur keine selbstheilenden Gespräche an Schwangeren! (Am Günstigsten mit Gleichgesinnten oder Beteiligten, da trifft frau wohl auch auf das meiste Verständnis)

Eine Frau vergisst ihr(e) Geburtserlebnisse nie, auch wenn sie verblassen – sie sind einfach Teil von ihr und ihrem Körper.

Es ist dein Körper und dein Geburtserlebnis.